Der Nutzen von Nachrichten
Ein interessantes Gespräch über die Auswahl, Produktion und Wirkung von Nachrichten, diskutiert in einer angenehm ruhigen Runde. Ganz ohne dass einer dem anderen ins Wort fallen oder ihn ständig unterbrechen muss. Ganz entspannt wird auf sachliche Weise argumentiert. So mag ich das.
Vom 9. April 2009, 21 Uhr auf 3sat
Gesprächspartner:
Frank Hartmann, Medienphilosoph, Universitäten Wien und Weimar
Kurt Flasch, Philosoph und Buchautor
Martin Kaluza, Philosoph und Journalist
Moderation:
Gert Scobel
Der Nutzen von Nachrichten
Eine Einordnung des Tagesgeschehens aus philosophischer Sicht
Philosophie muss sich im Alltag bewähren. Im Idealfall soll sie uns helfen unser Leben und unsere Zeit zu verstehen. Das stellt eine Fernsehsendung zur Philosophie vor ein schwieriges Problem:
Wie lässt sich unser abwechslungsreicher Alltag medial erfassen?
Die Antwort ist, dass dieser Alltag, zumindest dem Anspruch nach, bereits in den täglichen Nachrichten abgebildet wird. Für viele Menschen strukturieren gerade die Nachrichten den Ablauf ihres Alltags.
Zum Wesen der Nachrichten gehört das Problem, die Flut der Informationen sinnvoll zu ordnen.
In einer Konferenz am frühen Nachmittag wird entschieden, welche Nachrichten in der “heute”, eine der großen Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, gesendet werden. Viele Themen, wie politische Ereignisse, sind gut planbar und stehen schon lange fest. Über aktuelle, nicht vorhersehbare Ereignisse wird erst in dieser Sitzung entschieden. Ereignisse, die Menschen für berichtenswert halten, gibt es viele. Daher ist die wichtigste Aufgabe der Redaktion die Auswahl der Nachrichten.
“Wir leben mit einer Art Informations-Overkill”
Aus aller Welt werden Meldungen von den großen Nachrichtenagenturen per Fax oder elektronisch angeliefert. Ein bunter Mix aus Dopinggeständnissen, Politikerstatements und Unfällen.
Steffen Seibert, das Gesicht der “heute” sagt: “Es geht uns darum, den Menschen die Informationen zu liefern, die sie brauchen, um in dieser sehr komplizierten Welt als Bürger bewusste und richtige Entscheidungen zu treffen.”
Passiert eine Nachricht den Filter, wird sie anschließend in Bild und Text umgesetzt.
Luc Walpot, der Redaktionsleiter der “heute” sagt: “Wir leben mit einer Art Informations-Overkill, unter anderem ausgelöst durch das Netz. Das Nachrichtengeschäft ist dadurch schwieriger geworden, denn es ist immer noch unser Anspruch, diese Flut an Informationen für den Zuschauer einzuordnen - und das zuverlässig.”
Nachrichtenauswahl in der Kritik
Warum manche Meldungen ausgewählt werden und andere nicht, ist nicht nur innerhalb von Redaktionen ein Diskussionsthema. An der Nachrichtenauswahl setzen auch die Kritiker an.
Für viele wird zu wenig über die Dritte Welt berichtet, und wenn, dann nur als Ort, an dem es Kriege und Hunger gibt. Dadurch entsteht ein einseitiges Bild von einer sehr großen Region unserer Erde.
Ein weiterer Kritikpunkt sind Nachrichten, deren Inhalt wenig Neues bringt.
Ein gutes Beispiel dafür sind die immer wiederkehrenden Berichte über den brasilianischen Karneval. Walpot dazu: “Über den Vorwurf, wir berichten zu selten über Brasilien oder Indonesien, können wir diskutieren. Wobei sich die Auswahl, die wir treffen natürlich nach bestimmten Kriterien richtet.
Ein Kriterium ist die Bedeutung einer Nachricht für Deutschland. Inwiefern betrifft sie Deutschland oder hat Auswirkungen für die Menschen hier.”
Gesehenes wird schnell wieder vergessen
Entsprechend häufig wird in diesen Tagen über die Wirtschaftskrise berichtet. Die Faktoren und Hintergründe der Krise sind jedoch kompliziert und vielschichtig, so dass der Versuch, alles einfach und anschaulich zu erklären, oft scheitert. Ähnlich steht es um die Interessenlagen im Irakkrieg.
Auch hier zeigen die Ergebnisse der Zuschauerforschung, dass viele Menschen die Situation dort nicht verstehen. Der Medienpsychologe Jo Groebel sagt: “Es gibt viele Untersuchungen, auch aus der Zeit vor dem Internet, die zeigen, dass 97 Prozent aller Informationen aus einer Nachrichtensendung unmittelbar danach vergessen sind. Fragt man die Zuschauer nach dem Krieg in Somalia, können sie sich zwar daran erinnern, aber wiedergeben können sie die Information nicht.”
(Quelle:…)
Der Nutzen von Nachrichten
Teil 1/6
Teil 2/6
Teil 3/6
Teil 4/6
Teil 5/6
Teil 6/6
Hallo,
leider funktioniert der erste Teil nicht, youtube sagt:
Dieses Video wurde noch nicht verarbeitet.
Bei der Gelegenheit willich mich endlich mal für die vielen tollen Informationen bedanken die diese Seite immer wieder bietet!
Liebe Grüße
Fidel
EDIT von tefane am 11.03.2001
Hey,
aber sehr gerne doch :0)
Freut mich immer wenn jemand hier was Interessantes findet.
Das Video sollte jetzt übrigens funktionieren, manchmal dauerts bei YT bisschen länger…
Beste Grüße und viel Spaß,
tefane
Seltsam, dass bei so vielen Gesprächen unterschiedlichster Journalisten immer das Gleiche herauskommt, oder? Ist das doch eher gesteuert? Von wem?
Wer sich ernsthaft einmal eine Woche jeden Tag die Nachrichen auf SAT1, RTL, ZDF und ARD anschaut, der kann ein System dahinter nicht ernsthaft bestreiten.
Miranmar, Nordkorea und der Iran sowie dann und wann China und Rußland tauchen da immer als Bösewichter auf. Der Rest erscheint zur Meldung von Katastrophen und zur Spendensammlung.
Das ist Kasperletheater auf “allerhöchstem” Niveau!